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Digitale Souveränität heißt Wechselfähigkeit – unsere Eindrücke von der Smart Country Convention 2026

29. Oktober 2026 · Veranstaltungen

Rekordbesuch, drei große Themen und eine klare Botschaft an die Verwaltung: Open Source, digitale Souveränität und künstliche Intelligenz prägten die Smart Country Convention 2026 in Berlin. Was wir mitgenommen haben – und was das für Kommunen bedeutet, die ihre Infrastruktur digital erfassen wollen.

Folie aus dem Vortrag von Timo König (Bechtle AG) auf der Smart Country Convention 2026: Fahrplan zur digitalen Souveränität 2026 bis 2030
„Digitale Souveränität bedeutet nicht Autarkie, sondern kontrollierte Abhängigkeit und reale Wechselfähigkeit.“ – Timo König (Bechtle AG) auf der SCCON 2026. Folie: Bechtle AG, Foto: Cyface

Am Mittwoch, dem 14. Oktober, ging es für mich frühmorgens vom Dresdner Hauptbahnhof nach Berlin zur Smart Country Convention (SCCON). Die Messe von Bitkom und Messe Berlin ist der zentrale Treffpunkt für die Digitalisierung von Staat und Verwaltung – und damit auch für uns, denn unsere Kunden sind vor allem Kommunen, Ingenieurbüros und Forschungseinrichtungen.

Die SCCON hat in diesem Jahr alle Rekorde gebrochen: mehr als 30.000 Teilnehmende, über 650 Aussteller und rund 1.400 Sessions auf sieben Bühnen an drei Tagen. Bei aller Vielfalt zogen sich drei Themen durch fast jede Halle und jede Bühne: Open Source, digitale Souveränität und künstliche Intelligenz. Für uns sind das keine Trendthemen, sondern Grundpfeiler unserer Produkte. Im Folgenden fasse ich zusammen, was ich mitgenommen habe – und wie wir bei Cyface damit umgehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Open Source wird vom Wunsch zur Vorgabe: Thüringen hat offene Software bereits im Vergaberecht verankert.
  • Souveränität wird messbar: Exit-Fähigkeit, Datenportabilität und offene Standards werden zu Zuschlagskriterien in Ausschreibungen.
  • Bei KI zählt der nachweisbare Mehrwert: Vieles, was als „KI-Agent“ verkauft wird, ist keiner – und viele Aufgaben brauchen gar keinen.

Open Source: vom Wunsch zur Vergabepraxis

Open Source hat in der Wirtschaft oft einen schweren Stand. Meist liegt das an einem Missverständnis: „offen“ wird mit „kostenlos“ verwechselt. Offen heißt aber zunächst nur, dass der Quellcode einsehbar ist und nachgenutzt werden darf. Professionelle Entwicklung, Betrieb und Support kosten weiterhin Geld – und sind es auch wert.

Besonders eindrücklich war für mich der Vortrag „Open Source gewollt | proprietär beschafft?“ von Timo König (Solution Lead Sovereign Digital Solutions, Bechtle AG). Er zeigte am Beispiel Thüringen, wie aus einem politischen Wunsch gelebte Praxis wird: § 4 des Thüringer Vergabegesetzes verankert Open-Source-Software im Vergaberahmen, eine ressortübergreifende Arbeitsgemeinschaft (AGOSS) prüft seit 2022 Einsatzszenarien, und die Thüringer Verwaltungscloud läuft seit März 2025 auf offenen Komponenten wie OpenStack, Nextcloud, OpenTalk, Ceph und KVM.

Folie „Vom Vergaberecht zur Verwaltungscloud“: Thüringen verankert Open Source in Recht, Kompetenz und Plattform
Thüringen als Vorreiter: Open Source im Vergaberecht, in der Kompetenzbildung und in der eigenen Verwaltungscloud. Folie: Bechtle AG, Foto: Cyface

Aus unserer Sicht sprechen vor allem drei Gründe für offene Software in der öffentlichen Hand:

  • Prüfbarkeit: Offener Code kann von unabhängigen Stellen auf Funktionsweise, Qualität und Sicherheit geprüft werden. Zwar finden so auch Angreifer Schwachstellen leichter – unserer Erfahrung nach überwiegt der Vorteil aber deutlich. Bei geschlossener Software bleiben Fehler oft lange unentdeckt, und von außen bemerkt niemand, wenn Daten abfließen oder eine Lücke in der Sicherheitsarchitektur klafft.
  • Unabhängige Weiterentwicklung: Liegt der Quellcode offen, kann die Verwaltung Betreuung und Weiterentwicklung auch an andere Dienstleister vergeben – etwa wenn ein Anbieter nicht genug Kapazität hat oder die Qualität nachlässt.
  • Nachnutzung: Einmal entwickelte Werkzeuge lassen sich zwischen Verwaltungen teilen. Das senkt Kosten und vervielfacht den Nutzen. Nicht ohne Grund war auf der SCCON immer wieder von einer „Kultur der Nachnutzung“ die Rede.

So machen wir es bei Cyface

Der Kern unserer Software ist quelloffen. Unser Mobile SDK für Android und iOS, mit dem sich die Datenerfassung in jede App einbinden lässt, steht frei auf GitHub zur Verfügung – und ist im STADTRADELN seit über acht Jahren bei mehr als einer Million Nutzern pro Jahr im Einsatz. Für unsere Kunden heißt das: volle Transparenz und keine Abhängigkeit von einem Vertrag mit uns. Die Software läuft grundsätzlich auch dann weiter, wenn die Zusammenarbeit endet. Und weil wir alle Urheberrechte halten, können wir jede Komponente per Dual Licensing auch unter einer kommerziellen Lizenz bereitstellen, wenn das für ein Projekt besser passt.

Digitale Souveränität: nicht Autarkie, sondern Wechselfähigkeit

Angesichts globaler Krisen und geopolitischer Spannungen wollen viele Verwaltungen unabhängiger von einzelnen, häufig außereuropäischen Anbietern werden. Entsprechend präsent war das Thema auf der SCCON: Gesucht und vorgestellt wurden vor allem Lösungen, die ohne die großen US-amerikanischen Cloud-Anbieter auskommen und bei denen ausschließlich deutsche oder zumindest europäische Unternehmen beteiligt sind. Auch João Rui Ferreira, Staatssekretär für Wirtschaft des diesjährigen Partnerlandes Portugal, betonte zur Eröffnung des zweiten Messetages, dass Europas Erfolg sich daran messen lassen werde, wie viel Technologie auf dem eigenen Kontinent entwickelt und eingesetzt wird.

Die treffendste Definition lieferte für mich aber wieder Timo König: „Digitale Souveränität bedeutet nicht Autarkie, sondern kontrollierte Abhängigkeit und reale Wechselfähigkeit.“ Es geht also nicht darum, alles selbst zu bauen – sondern darum, jederzeit wechseln zu können, ohne Datenverlust und ohne dass der Betrieb stillsteht.

Besonders praxisnah: König zeigte, wie sich Souveränität in Ausschreibungen konkret bewerten lässt. Als Denkanstoß schlug er eine Gewichtung vor, in der die fachliche Funktionalität nur noch 30 % ausmacht. Der Rest verteilt sich auf Open Source und Nachnutzung, Datenportabilität, Interoperabilität, Sicherheit und Resilienz, Exit-Fähigkeit, Betriebsfähigkeit und die Gesamtkosten über den Lebenszyklus. Sein Fahrplan: 2026 Abhängigkeiten transparent machen, 2027 verbindliche Kriterien einführen, 2028 Nachfrage bündeln und Open Source Program Offices etablieren – damit kritische Leistungen bis 2030 auch bei Anbieterwechsel, Preisschocks oder Lieferkettenproblemen handlungsfähig bleiben.

Folie „Aus Souveränität werden Zuschlagskriterien“ mit einer beispielhaften Gewichtung von acht Kriterien
„Aus Souveränität werden Zuschlagskriterien“ – beispielhafte Gewichtung für Ausschreibungen. Folie: Bechtle AG, Foto: Cyface

Der Souveränitäts-Check: Wie schneidet Cyface ab?

Wir haben unser eigenes Angebot an genau diesen Kriterien gemessen. Gern können Sie die Tabelle auch als Checkliste für Ihre nächste Ausschreibung verwenden:

KriteriumGewichtSo erfüllt Cyface das Kriterium
Funktionalität30 %Objektive Zustandskarte Ihres Radverkehrsnetzes in vier Qualitätsklassen – erfasst per Bestandsflotte, Bürgerkampagne oder in Ihrer eigenen App.
Open Source & Nachnutzung10 %Kern der Software quelloffen auf GitHub, auf Wunsch per Dual Licensing auch kommerziell lizenziert.
Datenportabilität10 %Sämtliche Roh- und Ergebnisdaten in offenen Formaten, jederzeit vollständig exportierbar. Die Daten gehören Ihnen.
Interoperabilität10 %API-Zugang zu Roh- und Ergebnisdaten, Exporte für Ihr GIS und für Open-Data-Portale.
Sicherheit & Resilienz15 %Hosting auf Servern in Deutschland oder in Ihrer eigenen Infrastruktur, DSGVO-konforme Verarbeitung.
Exit-Fähigkeit10 %Die Software läuft auch nach Vertragsende weiter; Self-Hosting ist jederzeit möglich.
Betriebsfähigkeit7,5 %Technischer Support, Schulungen für Ihre Mitarbeiter und erfahrene Partner für Erfassungskampagnen.
TCO / Lebenszyklus7,5 %Veröffentlichte Paket- und Modulpreise mit Beispielrechnung – Sie wissen vorab, womit Sie rechnen.

Unser Leitsatz dazu steht schon auf unserer Startseite: Keine Abhängigkeit. Keine Datenkrake. Keine Blackbox. Viele Anbieter von Zustandserfassungen verkaufen am Ende nur eine Auswertung und behalten die Rohdaten für sich. Wir verwalten Ihre Daten nur – die Kontrolle bleibt bei Ihnen, bis hin zur Veröffentlichung als Open Data.

Künstliche Intelligenz: Mehrwert statt Hype

Natürlich war auch KI auf der SCCON allgegenwärtig. Viele Aussteller boten Chatbots und „KI-Agenten“ für die Verwaltung an. Der Bedarf ist da: Laut einer Bitkom-Umfrage vom September 2026 nutzen inzwischen 57 % der deutschen Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI – nach 36 % im Vorjahr. Zugleich nennen 66 % der KI-nutzenden Unternehmen den Datenschutz als Hürde, häufiger als jedes andere Hemmnis.

Doch Vorsicht ist geboten. Den klarsten Blick auf das Thema bot mir ein Vortrag von Daniel Manzke (Head of Engineering, IntraFind) am Stand seines Unternehmens – mit dem programmatischen Titel „A prompt in a multi-turn chat is not an agent!“ Manzke sprach von „Agent Washing“: Das Etikett sei der Technik davongelaufen. Nach Schätzung des Analysehauses Gartner bieten nur rund 130 der Tausenden Anbieter, die mit „agentischer KI“ werben, tatsächlich echte Agenten an. Mehr als 40 % der Agenten-Projekte dürften bis Ende 2027 wieder eingestellt werden – wegen steigender Kosten, unklaren Nutzens oder schwacher Risikokontrollen. Das sind wohlgemerkt Prognosen, keine Messwerte; die Richtung ist aber eindeutig.

Hilfreich fand ich seine Einordnung in fünf Stufen, die alle gern „Agent“ genannt werden: Chat-Assistent, Assistent mit Werkzeugen (etwa einer Dokumentensuche), Workflow, echter Agent und Multi-Agenten-System. Erst ab der vierten Stufe plant das Modell selbst, handelt und entscheidet, wann es fertig ist. Seine Faustregel: Chat plus Werkzeuge plus Gedächtnis ergibt einen Assistenten. Ein Agent ist es erst, wenn das Modell selbst den nächsten Schritt wählt.

Ist es wirklich ein Agent? Vier Fragen für die Beschaffung

Alle vier Fragen müssen mit Ja beantwortet werden – sonst handelt es sich um einen Assistenten:

  1. Ziel statt Prompt: Bekommt das System ein Ziel und ein Kriterium, wann die Aufgabe erledigt ist?
  2. Das Modell steuert den Ablauf: Wählt es selbst den nächsten Schritt und entscheidet, wann es aufhört?
  3. Es handelt in Systemen: Verändert es tatsächlich etwas, statt nur zu antworten?
  4. Es prüft sich selbst: Beobachtet es seine Ergebnisse, versucht es erneut oder gibt es an einen Menschen zurück?

Für den Produktivbetrieb kommen vier weitere Anforderungen hinzu: ein dauerhaft gespeicherter, nachvollziehbarer Zustand, definierte Auslöser, begrenzte Autonomie mit Freigaben und Notabschaltung sowie belegte, geprüfte und protokollierte Ergebnisse.

Quelle: Daniel Manzke (IntraFind), SCCON 2026 – zusammengeführt aus Leitfäden von Anthropic, OpenAI, Hugging Face, BSI und OWASP.

Wie das in der Verwaltung aussehen kann, zeigte Manzke am Beispiel von 500 Stellungnahmen zu einem Gesetzentwurf: Einlesen, Auswerten und Zusammenfassen laufen als fest programmierter, vollständig nachvollziehbarer Workflow, an dessen Ende ein Mensch prüft. Nur ein kleiner „Beobachter-Agent“ entscheidet eigenständig, welche nachgereichten Stellungnahmen neu analysiert werden müssen – und auch er braucht für jede Änderung eine menschliche Freigabe.

Seine Empfehlungen zum Mitnehmen: Mit Workflows beginnen, denn der meiste Nutzen entsteht heute in kontrollierten Abläufen mit menschlicher Prüfung. Multi-Agenten-Systeme nur dort einsetzen, wo sich der rund 15-fache Rechenaufwand lohnt. Und zuerst das Fundament bauen: verlässliche Daten, Souveränität, Protokollierung und Aufsicht. Oder in seinen Worten: „The model is the cheap part.“ – das Modell ist der günstige Teil.

So machen wir es bei Cyface

Diesen letzten Satz würden wir sofort unterschreiben. Der eigentliche Wert steckt in guten, sauber erhobenen Daten – und die gehören bei uns dem Kunden. KI setzen wir nur dort ein, wo wir ihren Mehrwert klar belegen können, und wir entwickeln unsere Modelle selbst, DSGVO-konform und auf Basis eigener Daten. Zwei Beispiele aus unserer Praxis zeigen, wie unterschiedlich die Antwort ausfallen kann:

  • Oberflächenanalyse – bewusst ohne KI: Die Oberflächenqualität von Radwegen berechnen wir aus Erschütterungsdaten mit klassischer Signalverarbeitung. Wir haben dafür auch KI-Verfahren getestet – sie lieferten aber keine besseren Ergebnisse. Also bleiben wir beim bewährten, vollständig nachvollziehbaren Verfahren.
  • Bildanalyse – mit KI: Für die Auswertung von Kamerabildern ist KI dagegen das richtige Werkzeug. Im Projekt DiGuRaL in Leipzig haben wir ein eigenes Modell trainiert, das Asphalt, Bordstein, Pflaster und Markierungen erkennt. Auch hier steckte die meiste Arbeit nicht im Modell, sondern in den Daten: 1.800 von unserem Team von Hand annotierte Bilder aus dem Fahrbetrieb. Den Datenschutz haben wir mit der Stadt Leipzig auf Grundlage eines umfangreichen Gutachtens abgesichert; Anonymisierungsverfahren der Universität Leipzig sind direkt in unsere App integriert.

Auf Wunsch begleiten wir Sie auch beim Aufbau eigener KI-Modelle auf Basis Ihrer selbst erhobenen Daten – inklusive der ehrlichen Frage, ob sich KI für Ihren Anwendungsfall überhaupt lohnt.

Fazit: Gute Zeiten für offene Lösungen

Die SCCON 2026 hat gezeigt: Die Verwaltung will Open Source, sie will Souveränität – und sie wird beides künftig in Ausschreibungen einfordern. Wer heute Infrastrukturdaten erfasst, sollte deshalb schon jetzt darauf achten, dass Daten, Software und Know-how nicht bei einem einzelnen Anbieter eingeschlossen sind.

Genau dafür haben wir Cyface gebaut. Wir erfassen den Zustand Ihres Radverkehrsnetzes mit gewöhnlichen Smartphones – mit Ihrer Bestandsflotte, per Bürgerkampagne oder integriert in Ihre eigene App. Sie erhalten eine objektive Zustandskarte als Grundlage für Sanierungsplanung, Haushalt und Fördermittelanträge. Und die Daten gehören Ihnen.

Und für alle, die schon planen: Die nächste Smart Country Convention findet vom 5. bis 7. Oktober 2027 in Berlin statt. Wir sehen uns dort!

Wie souverän ist Ihre Zustandserfassung?

Unsere Flottenerfassung startet bei 3.500 € (zzgl. MwSt.) – alle Pakete, Preise und eine Beispielrechnung finden Sie auf unserer Seite für Kommunen. Wir sagen Ihnen unverbindlich, welcher Weg für Ihre Kommune passt.

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Lassen Sie uns über Ihr Radnetz sprechen.

Ob konkrete Ausschreibung oder erste Idee – wir beraten Sie unverbindlich, welcher Erfassungsweg zu Ihrem Vorhaben und Budget passt.

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